Am Mittwoch könnten die Schlüssel zum „Kegelparadies“ wechseln


Am Mittwoch könnten die Schlüssel zum „Kegelparadies“ wechseln

Foto: Symbolbild © thank_you/Pixabay

Merseburg, 17. Juli 2026 – Am 9. Juli fragt Klaus Treuter im mobilen Saalewelle-Studio am Entenplan, wann denn im „Kegelparadies“ Merseburg wieder jemand trainiere. Lothar Rödger, seit 1990 Vorsitzender des Postsportvereins Merseburg, muss passen. Vier Wochen sei das letzte Training her. Einen Schlüssel zur Halle habe der Verein bis dahin nicht. Und eine Zwischeninformation, wie es weitergehe, liege ebenfalls nicht vor.

Pächterin zog sich zum 31. Mai zurück

Die Anlage in der Weißenfelser Straße 76a besteht seit 1970. Leer bleibt sie, seit Ende Mai. Zum 31. des Monats kündigte die Pächterin, die das „Kegelparadies“ bis dahin geführt und die Gesamtverantwortung getragen hatte, ihren Vertrag mit der Stadt. Seither hat die Anlage keine hauptverantwortliche Leitung mehr, und ohne Leitung stehen die Bahnen still.

Stadt setzt auf Selbstbetreibung durch die Vereine

Wie es weitergehen soll, entscheidet sich nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht im Rathaus, sondern in einer Vereinsversammlung. Das Amt für Jugend und Sport, wo der Vorgang federführend liegt, arbeitet nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren darauf hin, dass die Kegler die Anlage künftig in Eigenregie betreiben. Andere Sportstätten der Stadt liefen bereits so, etwa das Stadtstadion sowie die Anlagen in Meuschau und Beuna. Beim „Kegelparadies“ gebe es dieses Modell noch nicht, weil die dort spielenden Vereine sich bislang nicht dazu durchringen konnten. Nun aber sei Bewegung in der Sache.

Eine ergänzende Nutzungsvereinbarung liegt den Vereinen inzwischen vor, dazu Terminvorschläge für die Schlüsselübergabe. Ein einzelnes Detail müssen die Kegler noch klären, dann kann unterschrieben und die Anlage übergeben werden. Vorerst geht es um eine Zwischenlösung. Wie das „Kegelparadies“ vom 1. Januar 2027 an dauerhaft betrieben wird, liegt in der Hand der Vereine. Neben dem Postsportverein gehört dazu die Kegelsportvereinigung 96 Merseburg, deren Männermannschaft in dieser Saison nicht mehr in den Kreisligen antritt.

Verein rechnet mit Schlüsselübergabe am Mittwoch

Diese Woche kam Tempo in die Angelegenheit. Auf seiner Facebook-Seite meldete der Postsportverein am Donnerstag, es sehe „ganz danach aus“, dass die Schlüssel für die Spielstätte am kommenden Mittwoch übergeben werden könnten. Der Post spricht von einem wichtigen Schritt, für den Verein beginne dann aber erst die eigentliche Arbeit. Ideen, wie dem „Kegelparadies“ wieder Leben eingehaucht werden könne, gebe es viele. Der Klub sucht Mitstreiter, Unterstützer und Helfer, ausdrücklich mit Zeit, Ideen, handwerklichem Geschick oder auf andere Weise. Ziel sei ein Ort, an dem Sport, Gemeinschaft und Freude zu Hause sind.

Ein Verein mit langer Geschichte

Rödgers Blick zurück im mobilen Studio zeigt, wie viel für die Kegler an dieser Unterschrift hängt. Der Postsportverein war einmal eine der aktiveren Adressen im deutschen Betriebssport. 2010 richtete er die Bundesmeisterschaft der Postsportvereine in Merseburg aus, ein Kraftakt für den kleinen Klub, den die Mitglieder gern auf sich nahmen. Bis 2018 folgten alle zwei Jahre weitere Meisterschaften. Nach Corona kam der Betrieb nicht mehr in den alten Takt. Der Generationswechsel dünnte die Reihen aus, Kontakte in andere Vereine wurden schmaler.

Rödger, seit 1973 im Verein, hat mehrere solcher Phasen erlebt. In München absolvierte er 1995 eine zweijährige Ausbildung zum Vereinsmanager und das berufsbegleitend. Zum Führen und Leiten eines Vereins brauche man ein gewisses Rüstzeug und Grundwissen, sagte er gegenüber Merseblatt am mobilen Studio. Auch im Sport sei das keine Ausnahme.

Das Rüstzeug wird der Verein nun brauchen. Übernimmt er die Anlage in der Weißenfelser Straße, beginnt für die Kegler ein neues Kapitel jenseits des Spielbetriebs – als Betreiber, Gastgeber und Motor eines Ortes, der wieder gefunden werden muss.

Quelle :Merseblatt