Feder, Herz und Kompass
Schreibwerkstatt der BRAND-SANIERUNG inspiriert zu persönlichen Texten über Selbstbestimmung und Lebenswege
Im Rahmen der Ausstellung „Dem eigenen Kompass folgen – Künstlerinnen und ihre Wege“, die aktuell in der Weißenfelser BRAND-SANIERUNG zu sehen ist, fand vom 16. bis 18. Januar 2026 eine Schreibwerkstatt statt. Elf Frauen und ein Mann nahmen an dem ausgebuchten Kurs teil und probierten sich im literarischen Schreiben aus. Mit Inspirationen, Tipps und handwerklichen Hilfestellungen stand ihnen der Leiter des Schreibzentrums der Universität Jena Prof. Dr. Peter Braun zur Seite. Entstanden sind wunderschöne, persönliche Texte. Die Spannbreite reicht von der Kurzgeschichte bis zum Gedicht. Die Texte erzählen von Liebe, Selbstbestimmtheit, der Überwindung von Ängsten aber auch von Stigmatisierung, Kränkung und Ausgrenzung. Allen gemein sind Lebensentscheidungen, dem inneren Kompass zu folgen.
Damit schlägt die Schreibwerkstatt thematisch einen Bogen zur Kunstausstellung in der BRAND-SANIERUNG. Diese widmet sich nicht nur den Lebensgeschichten von zehn Künstlerinnen aus der Gegenwart, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die 1779 in Weißenfels geborene Künstlerin Therese aus dem Winkel. Obwohl diese heute so gut wie unbekannt ist, arbeitete sie zu Lebzeiten erfolgreich als Malerin, Musikerin und Schriftstellerin. Eingebettet in die gesellschaftlichen und persönlichen Umstände musste sie immer wieder lebensprägende Entscheidungen treffen, um ihren künstlerischen Überzeugungen treu zu bleiben.
Ein Aspekt, der Kursleiter Prof. Dr. Peter Braun besonders fasziniert hat, schließlich ist jeder Mensch reich an diesen Erfahrungen und Entscheidungen, die dazu beitragen, den eigenen Kompass zu finden. Das gelebte Leben nicht nur annehmen und im Gedächtnis bewahren, sondern es neu aufbrechen und in Textform zu Papier bringen – das war das Ansinnen des Dozenten. Wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erlebnisse anschaulich und lebendig erzählen können, zeigte er ihnen anhand zahlreicher Beispiele und schaffte es damit, dass sie sich im Laufe des Kurses öffneten. Aus anfänglichem Zögern und Unsicherheit entstand der Mut zum Ausprobieren und zum Spiel mit Wort und Sprache. Neben dem Schreiben war somit auch das Zuhören ein Genuss. Hervorragend zusammengefasst hat es Teilnehmerin Regine Garbe in ihrem Gedicht „Abgesang“. Darin heißt es anfangs noch: „Es tut mir leid, ihr lieben Leute, Kompass hin und Kompass her. Schreiben ging nicht: gestern, heute. Mein grauer Kopf grad müd und leer“. In der letzten Strophe hingegen schreibt die Weißenfelserin voller Selbstvertrauen und Zuversicht: „Ich seh’ die Kompassnadel zittern. Ich lebe, liebe, bin versöhnt. Vertrau mir selbst, muss nicht mehr glittern. Lebenskunst neu angewöhnt“.
Die Ausstellung „Dem eigenen Kompass folgen – Künstlerinnen und ihre Wege“ und das dazugehörige Rahmenprogramm werden in Kooperation durch die Weißenfelser Künstlerin Christina Simon von der BRAND-SANIERUNG, die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Katja Henze und den Leiter des Weißenfelser Heinrich-Schütz-Hauses Dr. Maik Richter organisiert und durchgeführt. Es ist das erste Mal, dass die drei Akteure zusammenarbeiten. Ein weiterer Höhepunkt des Rahmenprogramms wird Ende Februar 2026 der Druck-Workshop „Frauen machen Druck“ sein. Vom 26. Februar bis 1. März 2026 werden sich Teilnehmerinnen unter Anleitung der Leipziger Künstlerin Dagmar Zehnel dem druckgrafischen Handwerk widmen. Es gibt nur noch wenige Restplätze. Eine Anmeldung ist möglich unter:
kontakt@brand-sanierung.de oder 01784473097.
Die Kunstausstellung „Dem eigenen Kompass folgen – Künstlerinnen und ihre Wege“ ist noch bis zum 14. März 2026 im Kunstverein BRAND-SANIERUNG e.V. zu sehen. Sie kann nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden (kontakt@brand-sanierung.de, 01784473097). Zudem finden in der Galerie BRAND-SANIERUNG (Novalisstraße 13) jeden ersten Sonntag und letzten Samstag im Monat, um 15 Uhr Sonderführungen durch die Ausstellung statt.
Bildquelle: Katja Henze/ Stadt Weißenfels

