Stadt Weißenfels rückt Handwerk in den Mittelpunkt des Neujahrsempfangs


Stadt Weißenfels rückt Handwerk in den Mittelpunkt des Neujahrsempfangs

„Weißenfelser Boden sucht goldenes Handwerk“ hieß das Motto des Weißenfelser Neujahrsempfangs, der am 15. Januar 2026 im Kulturhaus stattfand. Etwa 160 Gäste waren der Einladung von Oberbürgermeister Martin Papke gefolgt. Als Gastredner stand der Präsident der Handwerkskammer Halle (Saale) Thomas Keindorf auf der Bühne. Mit einem Grußwort wendete sich zudem der Staatssekretär im Bildungsministerium Sachsen-Anhalt Jürgen Böhm an das Publikum. Darüber hinaus durfte sich die Weißenfelser Künstlerin Christina Simon anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz in das Ehrenbuch der Stadt Weißenfels eintragen. Für die musikalische Gestaltung des Abends sorgte der Chor der Neustadtschule unter der Leitung von Michael Franke. Für ihren mehrstimmigen Gesang und zwei Solo-Auftritte erhielten die Schülerinnen und Schüler begeisterten Applaus. Das Weißenfels-Lied trug die Band „Werner Stein & Eisenbricht“ aus Naumburg vor. Einen Auftritt hatten auch die Sternsinger der katholischen Gemeinde Weißenfels. Sie sammeln in diesem Jahr Spenden für Kinder in Bangladesch, die unter Kinderarbeit leiden.

Der Weißenfelser Oberbürgermeister Martin Papke erklärte in seiner Neujahrsrede, dass es ihm ein wichtiges Anliegen war, das Handwerk beim Neujahrsempfang in den Mittelpunkt zu rücken. „Mit unserer Stadt ist die verkürzte Erzählung verbunden, die ausschließlich das Schuhmacherhandwerk betont. Doch Weißenfels hat eine Geschichte zu bieten, die weit über das hinausgeht“, sagte das Stadtoberhaupt und untermauerte diese Aussage mit zehn Jahrhunderte alten Innungsladen der ehemaligen Weißenfelser Handwerkszünfte, die er eigens für den Neujahrsempfang aus dem Dornröschenschlaf im Museumsdepot geholt hatte und auf der großen Kulturhausbühne aufstellen ließ. „Die Geräusche hämmernder Schmiede, stinkende Gerber und der Lachsfang aus der Saale waren einst wichtiger Bestandteil unserer Saalestadt. Das reiche Innungsleben war geprägt von willigen Lehrlingen, tüchtigen Gesellen, strengen und respektvollen Meistern sowie führenden Oberinnungsmeistern. Über Jahrhunderte hatte sich ein generationsübergreifender Stolz entwickelt“, sagte Martin Papke und ließ damit die Vergangenheit in anschaulichen Bildern wiederaufleben.

Auch die wichtige Bedeutung des Handwerks in der Gegenwart hob der Oberbürgermeister hervor. Nicht zuletzt bei der Realisierung der zahlreichen anstehenden Bauvorhaben seien Fachleute in unterschiedlichen Handwerksbereichen unabdingbar. So stünden in Weißenfels Projekte mit einer beachtlichen Gesamtinvestitionssumme von mindestens 600 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren auf dem Plan – Vorhaben der öffentlichen Hand, aber vor allem von Wohnungsgesellschaften, Unternehmen und Privatinvestoren. Die Bandbreite reicht von der Schlosssanierung und dem Neubau eines Nahversorgers an der Promenade, über die Schaffung von knapp 100 hochwertigen Wohnungen in der Innenstadt, die denkmalgerechte Sanierung des Hofmarschallhauses und die Sanierung von Gründerzeithäusern in der Neustadt bis hin zum Neubau des Kinderlandes am Markt, der Errichtung der JVA Sandberg und zahlreichen weiteren Bauprojekten. „Darauf bin ich stolz und ich danke allen, die den Karren mit mir gemeinsam ziehen“, sagte Martin Papke.

Dabei betonte das Stadtoberhaupt nicht nur die hart erarbeitete Wertschöpfung der Handwerkszünfte, sondern auch deren gesellschaftliche Bedeutung als eine der frühesten Formen demokratisch organisierter Zusammenschlüsse. Die Demut und die Regeln im respektvollen Umgang miteinander, die zur Tradition der Zünfte gehören, wünsche er sich für die kommenden Jahre auch auf gesamtgesellschaftlicher und kommunalpolitischer Ebene. Auch persönlich machte der Oberbürgermeister deutlich, welche Wertschätzung er dem Handwerk entgegenbring. „Wenn ich eines nachholen könnte, dann wäre es eine handwerkliche Ausbildung“, sagte er. Dabei ginge es ihm vor allem um die Beobachtung, dass das Erleben, etwas mit den eigenen Händen herzustellen und am Abend das Tagwerk zu sehen, einen Menschen glücklicher machen könne. Diese sinnstiftende Arbeit und das unmittelbare Erfolgserlebnis können dem Stadtoberhaupt zufolge ein Schlüssel zu einem erfüllten Leben sein. Das sei es, was er der Gesellschaft von Herzen wieder wünsche.

Für demokratischen Zusammenhalt und einen direkten Austausch in dieser herausfordernden Zeit sprachen sich auch die beiden Redner des Neujahrsempfangs aus. Der Präsident der Handwerkskammer Thomas Keindorf forderte einen Bürokratieabbau, um die Betriebsgründung oder Betriebsübernahme für Handwerker attraktiver zu machen. Auch günstige Standortbedingungen seien wichtig für die Ansiedlung des Handwerks in einer Kommune. Diesbezüglich hat die Handwerkskammer laut Thomas Keindorf bereits Betriebe im Umfeld befragt und möchte über die Ergebnisse mit der Stadt Weißenfels ins Gespräch kommen. Staatssekretär Jürgen Böhm hat es sich zur Aufgabe gemacht, mittlere Bildungsabschlüsse und praktische Berufe in Sachsen-Anhalt zu stärken. So wurde unter anderem an 60 weiterführenden Schulen der Praxislerntag eingeführt – ein Konzept, bei dem die Schülerinnen und Schüler einen Tag in der Woche beruflich tätig sind. Aufgrund des großen Erfolges soll der Praxistag laut Jürgen Böhm schon bald auf alle Schulen ausgeweitet werden. Zudem hat sich der Staatsminister dafür eingesetzt, dass junge Frauen und Männer an Förderschulen einen Hauptschulabschluss ablegen können, um ihnen den Weg ins Handwerk zu ermöglichen. Auch hier seien die ersten Erfahrungen positiv.  

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Bildquelle: Katharina Vokoun/ Stadt Weißenfels